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Warum die Gerteröder Konfirmanden Myrthe und Apfelsine tragen
Erklärung für eine alte Tradition

In Vorbereitung der Konfirmation 2004 stellte sich für die Konfirmandinnen und Konfirmanden aus Gerterode wie schon in vielen Jahren zuvor die Frage:
Was bedeutet die Symbolik der Apfelsine mit dem Myrtenzweig, die stets zu diesem Fest  in Gerterode getragen wird?

 

Die Großeltern und Urgroßeltern begingen diesen Höhepunkt alle mit einer Apfelsine und einem Myrtenzweig. Und so war es Generation für Generation!

 

Fragt man die ältesten Bürger von Gerterode, so erinnern sich alle noch genau daran, damals bekam der Pfarrer und auch der Dorfschullehrer ebenfalls eine Apfelsine mit Myrtenzweig geschenkt. Aber warum?

 

Der Myrtenzweig ist schnell erklärt, er soll Unschuld und Reinheit symbolisieren, eine weiße Schleife wurde so aufrecht an die Myrte geflochten, die in der Apfelsine steckte, dass es ein kirchliches Kreuz ergab.

 

Mit einigen Abweichungen, manche Jahre waren die Schleifchen für Jungen blau und für Mädchen rosa, bei wieder anderen Jahrgängen hatten nur die Mädchen eine Apfelsine mit einer Myrte, die dann an die ebenfalls konfirmierten Jungen verschenkt wurden.

 

In den letzten Jahren waren aber die Schleifen zum Kreuz gebunden, für Jungen und Mädchen gleichermaßen weiß. (Das wäre zu dem Myrtenzweig zu sagen.)

 

Aber was soll die Apfelsine symbolisieren?

 

Dieser Brauch ist regional eng begrenzt, und nur in Gerterode blieb er bis heute in dieser Form erhalten.

 

Es ist sehr wahrscheinlich, dass diese Tradition Anfang des 19. Jahrhunderts entstand. Unter Pfarrer Große, der sich sehr für Gerterode engagierte. Was nicht immer einfach war, wie er es dann auch in seiner kleinen Festschrift „ Das Glockenfest“ ausführlich beschrieb. Diese kleine Broschüre wurde anlässlich der ersten Kirchenglocke, die Gerterode am 07.07.1825 erhielt, vom Rehunger Pfarrer Große verfasst, und der Erlös wurde ausschließlich zur Schuldenabtragung, die der kleine Ort für seine Kirche auf sich nehmen musste, verwendet.

 

Auffälllig ist, dass in den wenigen überlieferten Predigten häufig ausführlich auf die Symbolik des Olivenbaumes eingegangen wurde. Zufall? Hier einige Beispiele:

 

Psalm 52, Verse 8, 9,10:

Ich aber werde bleiben wie ein grünender Ölbaum im Hause Gottes; ich verlasse mich auf Gottes Güte immer und ewig.

Symbol für Gottvertrauen

 

 

Wir wissen, Oliven- und Orangenbäume wachsen im Zweistromland in der gleichen Vegetation. Die Orange hat in der Bibel keinerlei Bedeutung, wohl aber die Olive. Es ist also nachvollziehbar, dass anstelle der Olive, die zu der damaligen Zeit so gut wie nicht zu erhalten war, die Orange gewählt wurde, auch eine kostbare Frucht, deren Beschaffung aber nicht unmöglich war.

 

Wir erinnern uns: War es nicht eine Taube, die Noah nach sieben Tagen einen Olivenzweig brachte?

 

1.Mose 8 Vers 10, 11:

Da harrte er noch weitere sieben Tage und ließ abermals  eine Taube fliegen.

Die kam zu ihm um die Abendzeit und siehe, sie hatte ein Ölblatt abgebrochen.

Symbol der Hoffnung

 

In 2. Mose Vers 28 können wir lesen:“…dass sie zu dir bringen das allerfeinste Öl aus zerstoßenen Oliven für den Leuchter, dass man ständig Lampen aufsetzen könne.

Symbol des Lichts, der Erleuchtung

 

Psalm 128 Vers 3:

Dein Weib wird sein wie ein fruchtbarer Weinstock drinnen in deinem Hause, deine Kinder wie junge Ölbäume um deinen Tisch her.

Symbol für gesegneten Hausstand, Fruchtbarkeit

 

Ja, so könnte es gewesen sein, dass die Orange anstelle der Olive zur Konfirmation getragen wurde. Es ist sogar sehr wahrscheinlich, aber nicht mehr eindeutig nachweisbar. Aber weiter werden die Konfirmandinnen und Konfirmanden Jahr für Jahr die Orange mit einem Myrtenzweig zu ihrem Festtag tragen. Im Gedenken an ihre Vorfahren, von denen sie diese Tradition weiter geben werden.

 

 

Auszug aus der Predigt des „Glockenfestes“ am 07.07.1825 nachdem das erste Mal in Gerterode ein Glockenleuten in dem kleinen Dorf erklang.

 

… Wenn unsere verklärten Väter und Mütter jetzt uns geistig umschweben, jetzt aus dem blauen Himmelszelte auf unsere Versammlung herabblicken – was anders möchten sie uns wohl zurufen, als wie Ps. 133. Vers 1 sagt: siehe, wie fein und lieblich ist es, dass ihr so einträchtig bei einander seid! Schon oft sind wir hier beieinander gewesen, aber noch nie auf solche Veranlassung. Heute ist es doch in Wahrheit besonders fein und lieblich. O, was würden alle unsere Väter und Mütter darum gegeben haben, wenn sie einen solchen Tag hätten erleben können. Es war ihnen nicht vergönnt. … Dass euch jetzt Töne zum Herzen schallen, die euch bis jetzt fremd waren. Bis dieses gelang, o, da haben gar viele übersteigende Schwierigkeiten überwunden werden müssen. … So ist die Glocke die Begründerin des wahren Lebens. … Dadurch dass wir hernach noch gemeinschaftlich im Gesange unsern Mund übergehen lassen von den dankbaren Empfindungen die gewiss unsrer aller Herzen erfüllen; …

  

Das waren wenige Sätze von dem Rehunger Pfarrer Große aus seiner Predigt, die die große überwältigende Freude der Gerteröder ausdrückte.

 

 Zusammengestellt von Heidi Hartung, Gerterode.

 

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